Ganz Amerika bejubelt zurzeit eine Postkarte. Ein Piktogramm, das zeigt, welche Eigenschaften erfolgreiche Menschen auszeichnen. Berühmt wurde die Karte durch Dave Kerpen, ein recht umtriebiges Bürschchen: erfolgreicher Software-Unternehmer und Bestseller-Autor, der es in den USA zu einer erstaunlichen TV-Popularität gebracht hat. Er stellte die Karte ins Netz. Ihren Ursprung hat sie bei einer Coaching-Firma.

Eine Eigenschaft erfolgreicher Menschen soll hier gleich an erster Stelle weitergeleitet werden: Sie lesen gute Bücher! Diese Tatsache war ja schon im Januar nach Amerika durchgedrungen, als Mark Zuckerberg seinen Neujahrs-Vorsatz 2015 bekanntgab: alle zwei Wochen ein Buch… Silicon Valley und New York City entdecken die Grundlage aller Hochkulturen – das Lesen! Wie schön! weiterlesen »

zeitungen_blogUnd das sollten wir alle mal lieber schön bleiben lassen. Findet jedenfalls Hermann Hesse (1877-1962), unser großer Literatur-Nobelpreisträger. Sogar für „einen der gefährlichsten Feinde des Buches“ hält Hesse die Zeitung. Und warum?

„… nicht nur weil sie für wenig Geld scheinbar viel bietet und Zeit und Kräfte über Gebühr in Anspruch nimmt, sondern noch mehr, weil sie durch charakterloses Vielerlei den Geschmack und das feinere Lesevermögen bei Tausenden verdirbt.“

Die Menschen, die täglich Zeit und Kraft zum Lesen einer oder mehrerer Zeitungen fänden, täten das lediglich „aus alter schlechter Gewohnheit“. Und dann behauptet Hermann Hesse sogar:

„Der Verfasser dieser Zeilen [also er] hat seit seinen Schülerzeiten niemals eine Zeitung gelesen, höchstens einmal auf Reisen eine einzelne Nummer, und ist dadurch weder ärmer noch dümmer geworden, sondern hat viele hundert und tausend Stunden für Besseres frei behalten.“ weiterlesen »

Jetzt müssen wir aber doch einmal über Chick Lit reden! Research Now hat vor einiger Zeit für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Umfrage erstellt, in der es darum ging, was Frauen und was Männer lesen. Männer lesen gerne Biographien, historische Abhandlungen und politische Essays. Das lassen wir mal unkommentiert so stehen.

Und Frauen? Frauen lesen gerne „dicke Romane, die von Familien erzählen“. Dicke Romane, die von Familien erzählen!!?? Sie können natürlich lesen, was Sie möchten! Aber wenn Sie die Frauenquote haben wollen, wenn Sie die Vorstandsetagen und die Aufsichtsräte entern möchten, dann können Sie nicht die Wahrheit sagen, wenn Research Now bei Ihnen anruft.

Die Männer haben schließlich auch nicht zugegeben, dass es sich bei den Biographien, die sie da angeblich lesen, um „Dran bleiben“ von Lukas Podolski oder „Herbstblond“ von Thomas Gottschalk handelt. Also, wenn Research Now sich das nächste Mal bei Ihnen meldet, um Sie zu fragen, was Sie lesen, ist die richtige Antwort nicht „Ich lese gerne dicke Romane, die von Familien erzählen“. weiterlesen »

hesse_blogZwei New Yorker Psychologen, Emanuele Castano und David Comer Kidd von der New Scool for Social Research, haben es bewiesen: Die Lektüre von literarischen Klassikern hilft uns, andere Menschen besser einzuschätzen. Die beiden ließen hunderte von Probanden entweder Klassiker, populäre Bestseller [man könnte auch sagen: Schundromane] oder Sachbücher lesen. Und was passierte? Die Gruppe der Klassik-Leser konnte hinterher die Gefühle, Absichten und Erwartungen anderer Menschen wesentlich  besser interpretieren. Sie konnte tatsächlich die Gedanken ihres Gegenübers besser lesen.

Wie praktisch für die nächsten Gehaltsverhandlungen, Akquisitionsgespräche und Meetings aller Art. Also vorher noch schnell ab in die Buchhandlung! Allerdings müssen Sie dort „Weber’s Grillbibel“ vollkommen unbeeindruckt links liegen lassen. Auch „Parfum d’amour – Dir verfallen“ [gibt es wirklich!] oder „Masters of Passion“ helfen uns hier bedauerlicherweise nicht weiter. Auch nicht „Der Thron der Finsternis“. Allein die literarische Qualität macht hier den Meister. weiterlesen »

adorno_scholem_blogIn diesem Jahr ist ein großartiger Briefwechsel bei Suhrkamp erschienen. Es schreiben sich Theodor W. Adorno (1903-1969), der Frankfurter Philosoph, und Gershom Scholem (1897-1982), der renommierte jüdische Religionshistoriker. Beide Hochschullehrer, beide Intellektuelle auf der Höhe ihrer Zeit, beide brillante Denker. Und schon die ersten Sätze Adornos lassen einem das Herz aufgehen:

Er bedankt sich für einen Text, den Scholem ihm geschickt hatte. Diese Zusendung sei die größte Freude gewesen, die ihm ein Geschenk seit sehr langer Zeit bereitet habe. Und dann: „Sehen Sie in dieser Behauptung keine Unverschämtheit: völlig fern liegt es mir zu prätendieren, daß ich der Lektüre jener Schrift ernsthaft gewachsen mich zeigen könnte.“

Was für eine respektvolle Bescheidenheit. Was für eine schöne Geste dem Kollegen gegenüber. Und was schreibt Scholem in seinem nächsten Brief an Adorno? weiterlesen »