Das Buch ist schon alt. Ein bisschen mitgenommen auch. Auf der ersten Vorsatzseite steht eine persönliche Widmung für mich. Es hat fast 1000 Seiten. Das allerletzte Wort darin heißt „Amen“ und der erste Satz „Singet dem HErrn ein neues Lied“. Nein, es ist nicht die Bibel. Die ist dicker, und da heißt der erste Satz „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Es ist mein Gesangbuch, das mit mir schon unendlich vieles durchgemacht hat. Schönes, Trauriges, Bewegendes. Freude, Tränen, Rührung. Und es gibt einen Tag im Jahr, an dem ich es am liebsten in die Hand nehme: den ersten Advent.
Weil dann alles wieder offen ist. Wir singen in der rappelvollen Kirche traditionellerweise gleich zum Auftakt Lied 1. Alles auf Anfang. Alles wieder von vorn. Egal, wo die Lesebändchen noch stecken, sei es bei den Liedern der letzten Taufe, der Beerdigung im Herbst oder zwischen den Seiten des Totensonntags – jetzt ist angesagt Lied 1, Strophen eins bis drei: „Macht hoch die Tür“. Alles beginnt wieder, heißt das das. Öffnet euch! Schaut nach vorne! Wir können das alte Buch wieder am Anfang aufschlagen. Endlich! weiterlesen »
Endlich mal ein wahres Wort! Die Ära der neuen Ehrlichkeit bricht an! Eine Frau schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch! Elisabeth Raether, Politik-Redakteurin der ZEIT und Rezeptkolumnistin im ZEITmagazin äußerte neulich zum wiederholten Male eine Ungeheuerlichkeit. Sie gab zu, „dass mich manchmal beim Anblick einer Zwiebel, die ich schneiden muss, ein Gefühl bleierner Müdigkeit überkommt. Vor meinem inneren Auge erscheint dann das Bild des Bergs an Zwiebeln, die ich in meinem Leben schon geschnitten habe, und gleich daneben ragt der Berg von Zwiebeln empor, die ich noch werde schneiden müssen.“ (ZEITmagazin, Nr. 43/2016)
Über das Reden und den Dialog spreche ich oft in meinen Vorträgen. Darüber, dass wir zuviel simsen und What’sAppen, uns aber umso weniger wirklich begegnen. Ich spreche darüber, dass 15-jährige Jugendliche heute rund sechs Stunden am Tag vor ihren Smartphones verbringen. Ich spreche über Sokrates (469-399 v. Chr.), der den Satz prägte „Rede, damit ich dich sehe“. Oder über den großen französischen Philosophen Michel de Montaigne (1533-1592), der uns sagt: „Durch das Wort werden wir zum Menschen“. Und der in seinen „Essais“ (1580 und 1588) bekennt, dass er sich keiner Beschäftigung im Leben lieber widmet als dem Gespräch und der Diskussion. Ich rede über Kommunikation im Beruf, über sprachliche Masken oder über Sprachstil und Persönlichkeit. Über ein Thema aber habe ich wirklich noch nie gesprochen. Ich habe noch nicht einmal näher darüber nachgedacht… und ich bin froh, dass es mir jetzt endlich begegnet ist. Es geht um Gespräche mit Sterbenden.