Haben Sie schon von dem spektakulären Hamburger Brotmesser-Mord gehört?… Ich auch nicht, kommt aber noch! Es gibt zwar noch keine Tat und kein Motiv, auch noch keinen Mörder. Aber es gibt bereits eine Tatwaffe – das Brotmesser. Und das trägt unglücklicherweise die Fingerabdrücke meiner Freundin B. Sie hat einen besonderen Hang zum Kriminalistischen. Themen dieser Art begegnen ihr merkwürdigerweise andauernd, sie verfolgen sie geradezu. Und wenn der „stern“ mal wieder eine Geschichte über irgendeine abseitige Provinz-Perversion veröffentlicht (unbedarfte Frau lernt ihren Mörder im Internet kennen und endet in einem feuchten ungeheizten Haus in der Nähe der Mecklenburgischen Seenplatte; das Ganze kommt nur raus, weil der Täter morgens nackt im Garten Trompete spielt, oder so ähnlich), dann kennt sie die meistens schon.
Das Brotmesser hat B. an ihren Gemeinschafts-Mülltonnen vergessen. Sie brauchte es für etwas, das mit Kübelpflanzen zu tun hatte, aber an sich wohl keine so gute Idee war. Es war ein scharfes, teures Brotmesser. Ihr bestes, und am nächsten Morgen war es weg. Scharfsinnig konstruierte sie die Geschichte, die nun folgen wird: Derjenige, der das Messer genommen hat, kann jetzt bequem jemanden damit umbringen, ohne je belangt zu werden, denn am Messer sind ja ihre Fingerabdrücke und ihre DNA. Vermutlich wird bald schon die Polizei vor der Tür stehen, und ob sie dann für den Tatzeitpunkt ein Alibi hat, ist mehr als fraglich. Ihre Unschuld nachweisen wird sie unter diesen Umständen kaum können. So und nicht anders wird es eines Tages kommen… Am besten, ich fange schon mal an, verschiedene Versionen von Gnadengesuchen an den Bundespräsidenten zu formulieren. weiterlesen »
Stellen Sie sich mal vor, Sie hätten an einem Mittwochvormittag um zehn Uhr einen Termin bei Herrn Dr. K. Sie möchten für ihn arbeiten. Sie möchten Aufträge von ihm bekommen. Dr. K. hat eine wichtige Position in einem großen Unternehmen, das am anderen Ende der Stadt liegt. Sie müssen vorher nur noch Ihre Tochter in den Kindergarten bringen und auch noch den Sohn einer Freundin, das hatten Sie ihr versprochen, allerdings geht der in einen anderen Kindergarten.
„Chez Albert“ heißt das Pariser Restaurant, das wir gerade aus 1.500 Lego-Teilen zusammenbauen. Das ging auch ganz gut, bis uns jetzt so ein kleiner unscheinbarer Stein fehlte. Ein ganz kleiner. Flach, hellgrau, winzig. Es fand ihn schon seit Tagen keiner in diesem riesigen Plastik-Steinhaufen auf dem Fußboden. Wir Erwachsenen nicht, die Zehnjährigen nicht, die Sechsjährige auch nicht… Und jetzt: Auftritt K.! K. ist vier und kommt ins Zimmer. „Was sucht Ihr da?“ fragt er und guckt mich mit kugelrunden blauen Augen an. „Tja, also, das ist, äh, eigentlich für größere Kinder. Wir brauchen da so ein kleines Steinchen. So eins, guck‘, hier haben wir schon das gleiche hingebaut“, sagte ich. Gedacht habe ich: „Er findet den Stein doch sowieso nicht. Das ist eigentlich sinnlos. Wir können froh sein, wenn noch alles da ist, nachdem er in den Teilen rumgewühlt hat.“… K. brauchte keine 45 Sekunden, bis er das hellgraue Miniquadrat in der Hand hielt.